Anwaltssuche richtig

Die Suche nach einem fachlich kompetenten und engagierten Anwalt

Immer wieder werde ich gefragt, oder kann man in diversen Internetforen die Frage lesen: "Wie finde ich einen guten Anwalt, bzw. wer kann einen empfehlen"? Auch sind immer wieder besonders gute, mehr aber noch besonders schlechte Erfahrungen mit Anwälten und Probleme bei der Bewilligung von Beratungs- oder Prozesskostenhilfe in den Foren zu lesen. Häufig liest man auch Hinweise in der Art, "Beratungshilfeschein brauchst Du gar nicht zu besorgen, das macht der Anwalt für Dich."

Ich versuche mal zusammenzufassen, wie man den richtigen Anwalt findet, wie man das Erstgespräch beim Anwalt vorbereitet und was zum Thema Beratungs- und Prozesskostenhilfe wichtig ist. Aufgrund der Ausgestaltung dieser Website beschränke ich mich dabei auch die Suche nach einem Anwalt im sozialrechtlichen Bereich, insbesondere im Bereich des SGB II/SGB XII. Ich hoffe, dass es mir nachgesehen wird, wenn ich der Einfachheit halber nur die männliche Form verwende.

1. Die Auswahl des Anwalts

Ich denke, nichts geht über persönliche Empfehlungen. Wenn jemand mit einem bestimmten Anwalt besonders gute Erfahrungen gemacht hat, dann sollte diese positive Erfahrung auch weitergegeben werden. Wichtig dabei ist allerdings, konkret zu sagen, auf welchem Rechtsgebiet diese guten Erfahrungen gemacht wurden, denn ein sehr guter Mietrechtsanwalt kann im Sozialrecht eine absolute Pfeife sein und selbst ein auf dem Gebiet der gesetzlichen Krankenversicherung herausragender Sozialrechtler muss noch lange nicht gut auf dem Gebiet des SGB II sein.

Wer einen guten Anwalt sucht, sollte sich also im ersten Schritt im Bekanntenkreis oder auch zum Beispiel in Internetforen nach solchen guten (oder auch schlechten) Erfahrungen umhören.

Gibt es keine Empfehlungen, muss man sich selber auf die Suche machen und diese Suche wird leider schnell zum Glücksspiel. Wenn man allerdings ein paar Dinge beachtet, sollte sich das Risiko in erträglichen Grenzen halten.

Im Internet gibt es diverse Anwaltssuchmaschinen, die genutzt werden können. Dort besteht üblicherweise die Möglichkeit, eine Vorauswahl nach Rechtsgebieten vorzunehmen. Achtung: Die Bezeichnung Fachanwalt (z.B.) für Sozialrecht, bedeutet, dass der betreffende Anwalt einen ergänzenden Lehrgang besucht und gewisse Mindesterfahrungen im Bereich des Sozialrechts hat. Allein das Sozialrecht ist aber ein sehr weites Feld, sodass auch der entsprechende Fachanwaltstitel keine Gewähr dafür bietet, das insbesondere das gerade maßgebliche Rechtsgebiet (z.B. SGB II) von dem Anwalt besonders kompetent bearbeitet wird. Insofern sollte man sich bei der Suche nicht unbedingt auch den Fachanwalt konzentrieren bzw. beschränken, sondern sich z.B. die Webseiten der entsprechenden Anwälte ansehen.

Klar, dort wird natürlich in erster Linie Eigenwerbung betrieben und man darf sicher nicht alles glauben, was dort steht. Aber, in den allermeisten Fällen wird zumindest dargestellt, in welchen Rechtsgebieten der Anwalt schwerpunktmäßig tätig ist. Und weil Spezialisierung heutzutage unerlässlich ist, sollten das nicht allzu viele sein. Ein Anwalt, der praktisch sämtliche Rechtsgebiete abdeckt, kann nicht in allen Gebieten gleich gut sein und es besteht ein nicht unwesentliches Risiko, dass ein solcher Anwalt sich nicht unbedingt sehr intensiv in die eigene Problematik einarbeitet. Ich denke, bei mehr als 5 Tätigkeits- und/oder Interessenschwerpunkten ist Vorsicht angesagt.

Darüber hinaus veröffentlichen einige Anwälte auf ihren Webseiten auch kurze Aufsätze zu bestimmten Themen. Hierdurch kann man sich ebenfalls einen kleinen Eindruck von der Kompetenz und der Einstellung des Anwalts verschaffen.

Zu guter Letzt gibt es das Anwaltsportal Frag-einen-Anwalt.

Dort hat man die Möglichkeit, sich die Antworten einzelner Anwälte zu bestimmten Rechtsgebieten anzuschauen und - selbst wenn man die Richtigkeit der Antworten nicht beurteilen kann - bekommt man doch zumindest einen recht guten Eindruck davon, wie ernst der antwortende Anwalt den Fragesteller nimmt und wie ausführlich und verständlich die Fragen beantwortet werden. Das lässt sicherlich auch Rückschlüsse auf die Arbeit vor Ort zu.


2. Die Vorbereitung des Erstgespräches

Wenn der der (hoffentlich richtige) Anwalt gefunden und ein Termin vereinbart ist, gilt es, das Erstgespräch gut vorzubereiten, damit dieses möglichst effektiv ist.

Es sind deshalb im Vorfeld folgende Überlegungen anzustellen:

a) Wo genau liegt mein (rechtliches) Problem? Wodurch fühle ich mich in meinen Rechten verletzt?

b) Welche Informationen und welche Unterlagen benötigt der Anwalt, um beurteilen zu können, ob ich oder der Gegner im Recht ist? Diese Unterlagen sollten gut sortiert mitgenommen werden?

Im Fall von ALG II - Mandaten sollten immer mindestens der aktuelle Bewilligungsbescheid einschließlich dazugehörender Änderungsbescheide mitgenommen werden. Besser ist es wohl sämtliche Bescheide chronologisch sortiert mitzunehmen. Ebenso wichtig ist Schriftwechsel, evtl. Gesprächsnotizen sowie eigene Notizen zu dem streitgegenständlichen Sachverhalt dabei zu haben.

c) Welches Ziel will ich, bzw. soll der Anwalt für mich mindestens erreichen und was wäre das Optimum? Wie dieses Ziel zu erreichen ist, ist dann im Gespräch mit dem Anwalt zu klären. Allerdings sollte sich der Mandant im Vorfeld auch darüber klar sein, ob er auch gewillt ist, ggf. gerichtliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.

d) Vor dem Termin beim Anwalt beim örtlich zuständigen Amtsgericht einen Beratungshilfeschein besorgen (dazu mehr hier...)!

e) Falls keine Beratungs- und/oder Prozesskostenhilfe bewilligt wird, sollte auch schon im Vorfeld überlegt werden, inwieweit man bereit und in der Lage ist, die Kosten des Anwalts selber zu tragen.